Postwurfsendung No. 29
– Zweites Viertel –
Die Feiertage sind beinahe vorüber, die letzten Lebkuchen sind noch nicht gänzlich gefuttert, vom Silvesterpunsch steht auch noch viel zu viel herum und wir starten in das zweite Viertel dieses nicht mehr ganz so frischen Jahrhunderts bzw. Jahrtausends. Bei den Postwurfsendungen wird nichts neu ausgerichtet, nur ein bisschen etwas.
Was sich bewährt hat, soll man bekanntlich nicht ändern, auch wenn uns ein Jahreswechsel stets das Gegenteil vorgaukelt. Darum bleibt hier beinahe alles beim Alten. Wie gewohnt werden Sie jeden ersten Freitag im Monat Post von der Kaps in Ihrem elektronischen Briefkasten erhalten. Eine kleine Änderung wird es aber doch bei diesem Trott geben: Fürderhin sollen sich die Postwurfsendungen mit den Depeschen aus Xarelien abwechseln. Deren Öffnungsraten sind zwar regelmäßig deutlich schlechter als die der Postwurfsendungen, doch ficht dies unsere Autorin nicht an. Sie kann nämlich unglaublich stur sein.
Darum wird sie in diesem Jahr nicht nur ihre Leserschaft regelmäßiger mit Depeschen heimsuchen, sondern auch wirklich den Hesperus von Jean Paul lesen. Sie glauben das nicht?
(Die Kaps glaubt es auch nicht.)

Bevor sich aber in anspruchsvolle Lektüre gestürzt wird, blicken wir im Salon der literarischen Skurrilitäten zuerst auf die letztjährigen Lektürehöhepunkte zurück. Diese sind stark geprägt von Studio Ghibli Atmosphäre (Das Mädchen, das den Mond trank | Wo die Nacht verweilt | Herz aus Moos und Schatten), Folklore (Emily Wildes Kompendium) und tatsächlich von ein wenig zeitgenössischer Belletristik (Fabula Rasa).
Insgesamt war das Lesejahr 2025 deutlich besser, als das vorhergehende. Immerhin war diesmal nicht eine furios-fidele Fanfiction der Favorit, und der Kaps fiel es obendrein schwer, die Auswahl der Bestenliste auf nur fünf Bücher zu beschränken, weshalb noch zwei Bücher ehrenhalber – quasi außer Konkurrenz – erwähnt werden sollen. Beide sind schon vor Jahren erschienen, die Kaps hat sie sich nicht zum ersten Mal zu Gemüte geführt und sie sind unbestritten schräger, verschrobener und eigenwilliger als all das, was derzeit sonst so publiziert wird. Der Nachtzirkus war dabei neben Fabula Rasa das hellste Glanzlicht und Der Schrecksenmeister von Walter Moers hat unsere Autorin dank seiner Skurrilität einmal mehr daran erinnert, beim Schreiben ruhig etwas mutiger zu sein. Darum will sie unbedingt wieder verstärkt Altbekanntes und weniger Neuerscheinungen lesen.
Das Bild stammt aus einer sehr (sehr) frühen Phase des Bureaus, was am eingeschweißten Notizbuch oben rechts im Bild erkennbar ist. Oder an dem Umstand, dass unser Held Lohe auf den Karteikarten Lux heißt. Was im Übrigen nicht sein einziger Name war. Kuno war für ihn ebenso einmal im Spiel wie später Cináedh. Das ist Altgälisch und setzt sich aus den beiden altirischen Wortstämmen cín (Zorn, Feuer) und áed/áedh (Feuer) zusammen, was die schöne Deutung Feuergeborener, Kind des Feuers oder Der vom Feuer Erfüllte gehabt hätte. Aber so poetisch das auch ist, es passte weder zum Nachnamen von Belar, noch so recht in den Teil der Welt, in dem das Bureau letztlich angesiedelt ist.
Und überhaupt die Karteikarten. Die Kaps versucht zu Beginn eines jeden Romans mit selbigen zu arbeiten, um sich Plot und Figuren auszudenken. Jedesmal scheitert sie daran kläglich. Den wunderbaren rosegoldenen Rechner unten rechts im Bild benutzt unsere Autorin inzwischen auch nicht mehr oder nur noch sehr selten, da er inzwischen gewisse Verlässlichkeitsdefizite aufweist. Nun aber endlich zu den Fakten:
Das Manuskript durchlief vom Herbst 2021 bis zur Veröffentlichung insgesamt fünf Versionen. Einzelne Ideen und Nebenfiguren sind allerdings deutlich älter. Sie sind Bruchstücke von frühen Schreibversuchen der Kaps, die in den Tiefen der Zeit weit vor die Haarige Angelegenheit zurückreichen. Das Museum für Magische Geschichte war etwa bereits in einer ihrer ersten Geschichten der Schauplatz eines Einbruchs (lustigerweise sollte eine magische Krone anderer Art gestohlen werden) und Randulf Romedius Ronwald samt seinem Kristallauge ist ebenfalls daraus recycelt.
Unsere Drude (die ähnlich wie Lohe zuerst Eulalia und dann Drusilla hieß, ehe sie zu Gryla wurde, was sich wiederum auf eine weihnachtliche Schreckensgestalt der isländischen Folklore zurückzuführen lässt) war in der ursprünglichen Version des Buchs unfreiwillige Bureaukratin und im Departement Spuk & Schrecken tätig. Die nebenbei ihren Raubzügen nachging und für den Fuchs spionierte. Aber wie die Autorin es auch drehte und wendete, Gryla mochte sich dort nicht einfügen.
Praktisch bis zuletzt war die Erlkrone der Hel ein Helm. Hels Helm ist schließlich deutlich klangschöner als Helkrone. Erst in einem der allerletzten Korrekturdurchgänge der allerletzten Fassung wurde aus dem Helm eine Krone bzw. ein Lindwurm, der sich selbst in den Schwanz beißt. Warum? Weil die Kaps von Anfang an mit dem Gedanken gespielt hat und alle anderen Erl eben Kronen und nicht Helme tragen.
Im Dezember tat sich auf dem Schreibtisch der Kaps ärgerlich, geradezu bedenklich wenig. Und das, obwohl unsere Autorin nicht ihre Figuren dreimal umbenannt oder wieder herumprokrastiniert … öhm … recherchiert hat. Kapitel No. 23 erwies sich als dergestalt widerspenstig – unter anderem musste es zum Umschreiben am 23. Dezember (nachts) von einer guten Seele ausgedruckt werden –, dass es die Kaps nicht wundern würde, sollte es beim Lektorat später komplett gestrichen werden.
Trotz Durchhänger ist die Gesamtzahl der Kapitel zugleich wieder um ganze zwei geschrumpft, vielleicht wird doch noch alles bis Ende März fertig, und bei den Wortklaubereien kann diesmal der folgende Pegelstand vermeldet werden:
Opus No. 3 (Arbeitstitel Blut, Schweiß und Tränen aka Auf Eis gelegt): 72.651 Wörter; 6/52 Kapitel
Opus No. 4 (Arbeitstitel Crazy Hühnerbuchhandlung): 105.512 Wörter; 23/31 Kapitel
Dennoch wollen wir nicht zu ungnädig sein. Immerhin hat die Kaps im vergangenen Jahr zwei Drittel eines Romans und im Zuge dessen an die 100.000 Wörter (plus 6.601 Wörter bei den Depeschen) geschrieben, 134 Seiten eines DIN-A 4 und 145 Seiten eines derzeit stillgelegten DIN-A 5 Notizbuches befüllt, fast keine Karteikarten gepinselt. Und das ist ja auch schon was.
Auch in diesem Jahr entlasse ich Sie wieder mit einer Weisheit aus der Wundertüte der Weltliteratur:
Man muss nicht das Schreibgen haben, um sich ausmalen zu können, dass es immer Verwicklungen gibt.
(John Irving, Der letzte Sessellift)
Postskriptum
Die Kaps meint es wirklich ernst mit den Depeschen. Wirklich wirklich ernst. Die nächste Postwurfsendung erscheint darum erst im März. Als kleinen Trost gibt es die eBooks Eine haarige Angelegenheit und Das Bureau noch bis 6. Januar 2026 im Supersonderangebot für 0,99 € bei allen bekannten (und unbekannten) Händlern Ihres Vertrauens. Falls Sie den Lukrog bzw. die Katz nicht im Sack kaufen wollen, so finden Sie einige Auszüge in den Miszellen.







Liebe Kaps, herzlich bedankt für diese agreable Postwurfsendung. Habe nunmehr Das Bureau käuflich erworben - bedankt auch für den Schnäppchen-Tipp. Mir immer eine Freude, Gedanken der Kaps zu ventilieren. Erquickliches 2026!
100.000 Wörter für den Roman sind ein super Fortschritt! 👏 Das ist auch mein Ziel für 2026, die letzten beiden Jahre kam ich nicht über die 75.000 hinaus 😅