Postwurfsendung No. 28
– Es weihnachtelt sehr –
Das erste Viertel des einundzwanzigsten Jahrhunderts neigt sich endgültig dem Ende entgegen, die Kaps hat zwischenzeitlich nicht nur Lebkuchen (ohne Kürbiskerne) gefuttert, sondern auch welche gebacken und wir nähern uns obendrein den dunkelsten Tagen. Was könnte also die Stimmung besser erhellen als die letzte Postwurfsendung in diesem Jahr? Denn die ist noch einmal ausführlich, gespickt mit Rat und Tat und Lebenshilfe, Fakten Fakten Fakten und all dem Kram der sonst noch passierte.
Weihnachten kam in diesem Jahr früh für die Kaps. Genauer Mitte November. In Form einer Lesung Vea Kaisers. Also einem echten Fangirl-Moment. Die aufmerksamen Leserinnen und Leser werden sich vielleicht an die letzte Postwurfsendung erinnern, in der bereits über ihren neuen Roman Fabula Rasa geschwärmt wurde. Nun, die Lesungen der Schriftstellerin sind mindestens ebenso empfehlenswert, da überaus unterhaltsam und kurzweilig. Die Kaps kann dies guten Gewissens einschätzen, immerhin hat sie in der Vergangenheit schon einiges unternommen, um dabei zu sein. Etwa die Cousine im Allgäu heimgesucht und sich durch einen Regenschauer gekämpft. Sich mit einer Thermoskanne Tee bewaffnet vom Krankenlager erhoben. Oder wie dieses Mal dem ersten Frost getrotzt. All diese Unbill hatte sich jedes Mal gelohnt.
Neben Lebkuchen, Lesungen und Lustbarkeiten (aka Weihnachtsfeiern), hielten die letzten Wochen außerdem gleich zwei, nicht unbedeutende Lebenslektionen parat. Und weil wir alle zu Weihnachten freigiebig sein sollen (und die weihnachtliche Depesche aus Xarelien derzeit recht unwahrscheinlich ist), wird die treue Leserschaft an dieser Stelle also mit Rat und Tat und Lebenshilfe beschenkt.
Sollten Sie – also die eher wagemutigen, ausgepichten Gourmets unter Ihnen – noch auf der Suche nach einem weihnachtlichen Kaltgetränk sein, so möchte Ihnen die Kaps unbedingt Glimo anempfehlen. Dabei handelt es sich um eine Mixtur aus weißem Glühwein auf Zimmertemperatur mit Zitronenlimonade. Ein im Großen und Ganzen ganz brauchbares Getränk und freilich zu später Stunde während einer Festlichkeit entstanden. Es macht definitiv schwindlig.
Weitaus weniger zu gebrauchen sind dagegen Selbstmörder, die als Mittel der Wahl sich ausgerechnet einen Zug auserkiesen. Vor allem wenn man in selbigen sitzt. Nach einem nicht gerade erfrischenden Arbeitstag. An einem Freitagabend. Auf der ohnehin zweieinhalbstündigen Fahrt. Falls Sie einmal in eine ähnliche Lage geraten und nach mehrstündigem, außerplanmäßigem Halt mit der Seelsorge konfrontiert werden, die sich nach Ihrem geistigen Wohlbefinden erkundigt – dann sind sarkastische Bemerkungen nicht das Gebot der Stunde. Verkneifen Sie sich einfach jeglichen Kommentar. Vermeiden Sie am besten jeden Blickkontakt. Außer Sie möchten beseelsorgt werden.
Wie dem auch sei, die Kaps sitzt zweifelsohne grundsätzlich zu viel in Zügen, wenngleich sie dort – wie auf obigem Bild erkennbar – bisweilen nützliche Dinge verrichtet (und nicht bloß die Seelsorge aufwiegelt). Zum Beispiel ihr Geschreibsel korrigiert. Das Foto ist ziemlich genau zwei Jahre alt und vermutlich wird hier gerade das Kapitel nach der Sonnwendfeier an Loreleis Felsen für das Lektorat überarbeitet. Was uns sogleich zu den heutigen Fakten Fakten Fakten bringt:
Die ersten Ideen zum Bureau wurden freilich schon vor dem Herbst 2021 gewälzt. Doch wie immer, wenn unsere Autorin ein Projekt abschließt, konkurrieren erst einmal mehrere Ideen in ihrem Hirn, bis sich eine davon durchsetzt. In diesem Falle waren es drei. Zum einen ein Road Trip aus der Welt der Haarigen Angelegenheit rund um eine mörderische Schaufensterdekorateurin, zum anderen das der Leserschaft bereits bekannte Projekt Blut, Schweiß und Tränen aka Auf Eis gelegt. Ernsthaft am Bureau zu schreiben, begann die Kaps also zum oben genannten Zeitpunkt. Und es dauerte inklusive Lektorat sowie vieler Mühen und Plagen (und jeder Menge Heulen und Zähneklappern) noch fast drei Jahre, ehe der finale Schlussstrich gesetzt werden konnte. Spoiler: Recht viel schneller wird sie wohl auch beim nächsten Buch nicht sein. Wie wir gleich bei den Wortklaubereien bestätigt bekommen werden.
Warum aus der Abteilung Str.An.Ge (Straftaten Anderweltlicher Geschöpfe) letztlich die Graue Wache bzw. die Abteilung zur Verfolgung von Straftaten des Alten Volkes wurde, weiß unsere Autorin nicht mehr. Wahrscheinlich weil sie fand, dass die Anspielung auf das englische Wort strange nicht zur Welt des Bureaus passte und insgesamt zu viel des Guten war.
Das Bureau wimmelt nur so von verschiedenen Textsorten. Neben sechzehn Vermerken beinhaltet es sechs Lexikoneinträge aus dem Handbuch sämtlicher Kreaturen, Erscheinungsformen und Sagengestalten des Alten Volkes nebst ihren Sitten und Gebräuchen. Einem bahnbrechenden Werk der Folkloristik von Theobald Mulzer.
Passend hierzu soll auch der vermutlich letzte Auftritt des Bureaus in freier Wildbahn nicht unter den Tisch fallen. Schließlich lag es bei einer Bücherausstellung in der kleinen Stadt so dekorativ neben bzw. zu Füßen eines literarischen Helden der Kaps. Wobei auch die Nähe zu Aaronovitch nicht zu verachten ist – denn im Unterbewusstsein der Kaps mögen diese Urban Fantasy Krimis beim Schreiben des Bureaus durchaus eine winzige Rolle gespielt haben.
Vermutlich erinnern wir uns alle noch an unser herzhaftes Gelächter, als in der letzten Postwurfsendung großspurig die Pläne der Kaps, im November vier Kapitel in die elektronische Schiefertafel (aka iPad) zu klopfen, verkündet wurden.
Nun, wir haben alle nicht umsonst gelacht.
Zwar war unsere Autorin nach Woche No. 1 voll im Zeitplan, in Woche No. 2 dann glücklich krank und in Woche No. 3 eskalierte zuletzt der Broterwerb. Und so stehen wir bei der Crazy Hühnerbuchhandlung heute da, wo wir eben stehen, nämlich wie schon die Monate davor ganze zwei Kapitel weiter:
Opus No. 3 (Arbeitstitel Blut, Schweiß und Tränen aka Auf Eis gelegt): 72.651 Wörter; 6/52 Kapitel
Opus No. 4 (Arbeitstitel Crazy Hühnerbuchhandlung): 100.835 Wörter, 22/33 Kapitel
Die Kaps schielt also langsam leicht nervös auf die selbst gesetzte Frist Ende März. Aber: Die magische 100.000 Wörtermarke ist überschritten, ab jetzt ist das Ganze offiziell ein Ziegel. Das ist ja auch schon was.
Werden Bücher damit beworben, sie würden an Studio Ghibli Filme erinnern, so hat man die Kaps eigentlich grundsätzlich im Sack. Das war auch bei diesem Buch der Fall und der Vergleich mit Studio Ghibli war nicht nur angebracht, sondern das Buch hebt sich (dem etwas kitschigen Titel zum Trotz) überraschend ordentlich aus dem Farbschnitteinheitsbrei ab, der derzeit das Fantasy-Regal bevölkert.
Anstatt heißer Romantik mit lüsternen Werfüchsen et al. erwartet die Leserschaft die kühl-feuchte Atmosphäre einer von Wasserstraßen geprägten winterlichen Hafenstadt, die entfernt an Amsterdam erinnert. Darinnen dahinsiechende Naturgötter, die auf die Springflut warten, die sie endlich hinüber ins Ewigreich tragen soll. Und eine junge Halbgöttin, die für die Götter Aufträge unter den Menschen erledigt und mehr und mehr von deren Welt, insbesondere vom Restaurant Marigold und dessen Bewohnern, fasziniert ist.
Die Geschichte ist perfekt für nasse kalte Novembernächte. Und weil der schon vorbei ist: auch perfekt für die grauen kalten Monate Januar und Februar.
Auch heute entlasse ich Sie wieder mit einer Weisheit aus der Wundertüte der Weltliteratur:
Sie wurde von langen Nächten in jene Stimmung versetzt, in der man ganze Stadtviertel in Brand setzen will.
(Vea Kaiser, Fabula Rasa)
Postskriptum
Sie sind noch auf der Suche nach einem passenden Weihnachtsgeschenk? Unsere Autorin würde sich sehr freuen, wenn Sie eines ihrer Bücher in Erwägung zögen. Das Bureau etwa ist „unisex“ und kann von allen gelesen werden. Beide Bücher sind überall erhältlich und wenn Sie jetzt in der Buchhandlung Ihres Vertrauens (oder anderswo) bestellen, werden sie auch noch rechtzeitig zu den Festtagen ankommen.







Wieder einmal sehr interessante Einblicke in das Leben (und Schreiben) der Kaps. Ich wünsche der Autorin ausreichend Glimo für den restlichen Winter (wird hier auch demnächst mal ausprobiert) 😃