Postwurfsendung No. 27
– Novemberleuchten –
Nachdem wir die Oktober-Postwurfsendung mit einem xarelischen Märchen übersprungen haben, sind wir zurück mit den Aktualitäten vom Schreibtisch der Kaps. Hier nun also die vorletzte Postwurfsendung des Jahres. Mit besonders vielen Bildern. Besonders lang! Und mit besonderer zeitgenössischer Belletristik im Salon der literarischen Skurrilitäten.
Der November ist ins Land gezogen, es wird nun einfach viel zu früh dunkel und die Kaps hat nicht nur endlich einen zeitgenössischen Roman gelesen, sie mampft sich auch seit gut einem Monat durch das Lebkuchenangebot des an Lebkuchen nicht armen süddeutschen Raumes. Darunter: Dattellebkuchen, Birnenlebkuchen, Lebkuchen mit Erdnüssen und natürlich mit Pistazien. Letztere mal mit mal ohne Pistazienschmiere unter der Schokoladenglasur. Was unsere Autorin ebenfalls drücken würde, wären die Lebkuchen mit Kürbiskernen. Aber hierfür wäre ein weiterer Ausflug in die Lebkuchenmanufaktur notwendig… na ja, der November ist ja noch lang.
Man mag es kaum glauben, am wenigsten die Kaps, doch seit dem Erscheinen des Bureaus sind auch schon wieder drei Monate vergangen. Was sie ein wenig fassungslos zurücklässt. Mindestens ebenso fassungslos, wenn nicht gar noch fassungsloser ist sie über den Umstand, nun quasi einen Punkt auf der universellen Checkliste aller Schriftsteller abhaken zu können: Ihr Buch ist in der Buchhandlung! Kreisch. Der örtliche Buchhändler, bei dem sie seit gefühlt dreihundert Jahren ihre Einkäufe tätigt, war so nett und hat es ins Sortiment aufgenommen. Wo es nicht allein wegen der Größe oder des fehlenden Farbschnitts aus der Nachbarschaft heraussticht. Das Cover ist schon mega. Das Beweisbild sehen Sie oben.
Ja, Sie sehen richtig. Wir wollen uns einigen Hintergrundinformationen zum Bureau widmen (wenn es schon in einer Buchhandlung zu bewundern ist, hähä). Vermutlich oder wohl eher offensichtlich sollte man diese Art der Reklame vor der Veröffentlichung eines Romans praktizieren. Oder zeitnah rund um dieselbe. Um das geneigte Publikum neugierig zu stimmen. Jedenfalls sollte man nicht drei Monate danach glücklich damit ums Eck kommen. Aber an ein Lehrbuch kann sich ja jeder halten und wir wollen hier doch die Tradition grundsätzlich falscher Entscheidungen und eine allgemein schusslige Aura aufrecht erhalten.
Außerdem hat unsere Autorin so hübsche Bildchen für Instagram gebastelt und es wäre doch eine Schande wenn diese dort im Algorithmus begraben werden. Weshalb wir sie hier recyceln (Stichwort: Nachhaltigkeit!). Höchste Zeit also, um hier die Rubrik Fakten, Fakten, Fakten ins Leben zu rufen.
Die Bilder hierfür sind auch wirklich während des Schreibens des Bureaus entstanden und zeigen wie etwa oben einen der wohl zwanzig Lamy Kugelschreiber der Kaps sowie das Hauptnotizbuch, das insbesondere ab dem ernsthaften Beginn des Schreibens an der Geschichte seine Dienste tat.
Womit wir ohne weitere Vorrede in die heutigen drei Fakten einsteigen.
Das Bureau ist ein Einzelband (und das ist auch gut so). Das berüchtigte Opus No. 3 (der Leserschaft der Postwurfsendungen auch unter dem Arbeitstitel Blut, Schweiß und Tränen oder Auf Eis gelegt bekannt) wäre eine Art Prequel, das sich viele Jahrhunderte vor Lohes und Grylas Abenteuer zuträgt und komplett eigenständig gelesen werden könnte. Die Kaps ist nach wie vor guter Hoffnung, diese Geschichte eines Tages zu Papier zu bringen. Darum taucht es auch weiterhin stur in der Rubrik der Wortklaubereien auf. Drücken wir trotzdem die Daumen. Schließlich hat sie sich gekonnt von der Hühnerbuchhandlung davon ablenken lassen.
Unsere beiden Helden hätten sich am Sidelhorn, auf dem Weg zur Sonnwendfeier an Loreleis Felsen näher kommen sollen. Es war von Anfang an fest eingeplant. Sie haben dann aber partout nicht wollen und so wurde uns (und den beiden) wechselselbiges erspart.
Äpfel und Stechuhren spielen eine bedeutende Rolle im Bureau. Jeder der es gelesen hat, kann das bestätigen. Zu beiden werden wir dann in künftigen Postwurfsendungen noch mehr erfahren.
Um nicht nur in der Vergangenheit (auch bekannt als abgeschlossene Werke) zu schwelgen, kommen wir zur Bestandsaufnahme auf dem Schreibtisch der Kaps. Dort tut sich so einiges. Zwanzig Kapitel sind inzwischen geschrieben, dreizehn weitere folgen. Denn ja, die Kapitelanzahl ist seit September um drei in die Höhe geschossen. Wir stehen darum momentan bei 33 Kapiteln – so viele wie noch nie. Beinahe wären es sogar 34 geworden, doch unsere Helden können ihr bautechnisches Problem inzwischen glücklicherweise lösen, ohne ein ganzes Sägewerk zu überfallen. Das freut uns sehr. Schließlich nähern wir uns der magischen 100.000 Wörtermarke, was so viel bedeutet wie: Es ziegelt bereits jetzt ziemlich und wir haben noch gut ein Drittel vor uns. Zum Vergleich: Die finale Fassung des Bureaus umfasst 94.165 und die der Haarigen Angelegenheit 101.249 Wörter.
Opus No. 3 (Arbeitstitel Blut, Schweiß und Tränen aka Auf Eis gelegt): 72.651 Wörter; 6/52 Kapitel
Opus No. 4 (Arbeitstitel Crazy Hühnerbuchhandlung): 92.186 Wörter; 20/33 Kapitel
Und weil unsere Autorin unrealistische Herausforderung liebt, an denen sie grandios scheitert (an dieser Stelle eine Gedenkminute für den nach wie vor ungelesenen Hesperus von Jean Paul auf dem stetig wachsenden Stapel ungelesener Bücher oder für das Instagram-Marketing, das derzeit etwas Schiffbruch erleidet), hat sie sich vorgenommen in jeder Novemberwoche ein Kapitel zu schreiben. Ja, sie muss selber herzlich lachen. Schließlich ist die erste Novemberwoche quasi rum und sie hat kein Kapitel fertiggeschrieben. Nicht mal ansatzweise.
Was nichts am zaghaften Plan (aka Hoffnung) ändert, den Erstentwurf bis Ende März fertigzuschreiben.
Der Salon der literarischen Skurrilitäten wartet heute nicht nur mit zeitgenössischer Belletristik (Hurra), sondern mit dem Jahreshighlight der diesjährigen Lektüren unserer Autorin auf – in den paar Wochen, die in diesem Jahr noch vor uns liegen, wird es nicht mehr besser werden.
Tatsächlich ist das mit dem Highlight allerdings keine sonderliche Überraschung. Denn Vea Kaiser gehört nicht nur wie der in einer früheren Postwurfsendung erwähnte John Irving zu den wenigen Schriftstellern, von denen die Kaps unbesehen jedes Buch kauft und liest (oder wie in diesem Falle sechs Jahre geduldig darauf wartet). Ähnlich wie jener ist die österreichische Autorin eines ihrer literarischen Vorbilder (wenn man das so nennen mag) und hat die Haarige Angelegenheit wesentlich mitinspiriert.
Dies ist jedenfalls Vea Kaisers vierter Roman und wieder recht großartig. Die Handlung umspannt gut um die dreißig Jahre, von den Achtzigern mit Falco bis in die späten Zwanzigzehner Jahre mit Smartphone und Kryptowährungen. Im Zentrum das Grand Hotel Frohner und die Buchhalterin Angelika, die mit den Zahlen so fantasievoll und geschickt hantiert, dass es ihr gelingt, unbemerkt gut drei Millionen vom Hotel in die eigene Tasche abzuzweigen.
Klare Leseempfehlung. Und wer Weihnachtsgeschenke sucht, ist mit Fabula Rasa (oder einem der früheren Romane, die bereits als Taschenbuch vorliegen) ebenfalls bestens beraten.
Der einzige Wermutstropfen ist vielleicht, dass die Kaps nun dank Wolkenschloss von Kerstin Gier und Fabula Rasa so gut mit Hotelgeschichten versorgt ist, dass sie keine mehr selbst schreiben muss. Womit sie ja eigentlich immer ein wenig geliebäugelt hat.
Und auch heute entlasse ich Sie wieder mit einer Weisheit aus der Wundertüte der Weltliteratur:
All cats are slightly magical, don’t you know? It’s why they’re so smug all the time.
(Julie Leong, The Teller of Small Fortunes)
Postskriptum
Wie schon im letzten Jahr plant die Kaps eigentlich eine weihnachtliche Sonderdepesche aus Xarelien. Ob es ihr gelingt, diese auch zu verschicken, steht in den Sternen. Sie müssen sich also überraschen lassen. Was jedoch auf alle Fälle wie gewohnt am ersten Freitag im Dezember in ihren elektronischen Briefkästen eintrudeln wird, ist die letzte Postwurfsendung des Jahres.








Als Leser des Bureaus kann ich nur sagen: MEHR aus dieser Welt! Ein Prequel würde mich sehr freuen, ich hatte schon fast damit abgeschlossen, als ich "Einzelband" gelesen hatte 😅
Sind die Märchen aus Xarelien nicht auch mit dieser Welt verknüpft oder irre ich mich da? 🤔
Wann geht die Sonne unter?